Digitaler Produktpass: Pflicht ab 2027 – Was Unternehmen wissen müssen

Digitaler Produktpass: Pflicht ab 2027 – Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Die Europäische Union treibt mit einer Reihe neuer Verordnungen die Nachhaltigkeit und Sicherheit von Produkten voran. Im Zentrum dieser Bemühungen stehen der Digitale Produktpass (DPP), die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) und die General Product Safety Regulation (GPSR). Diese Regelwerke stellen Unternehmen, insbesondere Nicht-EU-Hersteller, vor neue Herausforderungen und Pflichten. Dieser Artikel beleuchtet die Details dieser Verordnungen und erklärt, was Unternehmen tun müssen, um konform zu bleiben und hohe Strafen zu vermeiden.

Die General Product Safety Regulation (GPSR): Eine neue Ära der Produktsicherheit

Seit dem 13. Dezember 2024 ist die General Product Safety Regulation (GPSR) (Verordnung (EU) 2023/988) in Kraft und ersetzt die bisherige General Product Safety Directive. Sie markiert einen Paradigmenwechsel im Verbraucherschutz innerhalb der EU und zielt darauf ab, die Sicherheit von Produkten in einer zunehmend digitalisierten und globalisierten Welt zu gewährleisten [1].

Erweiterter Anwendungsbereich und neue Pflichten

Die GPSR erstreckt sich auf alle Non-Food-Konsumgüter, die an Verbraucher in der EU verkauft werden, unabhängig vom Vertriebskanal – sei es online, über Marktplätze oder im stationären Handel [2]. Auch Produkte, die ursprünglich für den professionellen Gebrauch konzipiert wurden, aber den Verbrauchermarkt erreichen, fallen unter diese Verordnung [1]. Dies bedeutet eine erhebliche Ausweitung des Geltungsbereichs im Vergleich zur Vorgängerrichtlinie.

Die Verordnung führt eine Reihe wichtiger Änderungen und Anforderungen ein, die weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaftsakteure haben:

Konsequenzen bei Nichteinhaltung der GPSR

Die Nichteinhaltung der GPSR kann schwerwiegende Folgen für Unternehmen haben. Dazu gehören hohe Geldstrafen, Produktverbote und ein erheblicher Reputationsschaden [4]. Die Strafen können bis zu 4% des Jahresumsatzes oder 10 Millionen Euro betragen, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Compliance-Strategien zu überprüfen und anzupassen.

Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) und der Digitale Produktpass (DPP)

Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) ist ein weiterer Eckpfeiler der EU-Strategie für eine Kreislaufwirtschaft. Sie trat am 18. Juli 2024 in Kraft und führt umfassende Regeln ein, um Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus nachhaltiger zu gestalten. Ein zentrales Instrument der ESPR ist der Digitale Produktpass (DPP) [5].

Ziele der ESPR: Nachhaltigkeit im Fokus

Die ESPR verfolgt ehrgeizige Ziele, um die Umweltauswirkungen von Produkten zu minimieren und eine Kreislaufwirtschaft zu fördern [5]:

Der Digitale Produktpass (DPP): Transparenz für den gesamten Lebenszyklus

Der Digitale Produktpass (DPP) ist eine Schlüsselkomponente der ESPR und soll die Transparenz und Rückverfolgbarkeit eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verbessern [5]. Er ist ein strukturiertes, digitales Dokument, das umfassende Lebenszyklusdaten für jedes Produkt in einem standardisierten Format bereitstellt [6].

Produkte mit DPP-Pflicht und Zeitplan

Ab 2027 wird der DPP für vorrangige Produktgruppen obligatorisch, wobei eine vollständige Einführung bis 2030 erwartet wird [6]. Die ersten Produktgruppen, die einen DPP benötigen, umfassen [5]:

Hersteller, Importeure, Händler und Einzelhändler dieser Produkte müssen ihre DPPs bis zum 19. April 2025 zugänglich machen [5]. Dies bedeutet, dass Unternehmen bereits jetzt mit der Vorbereitung beginnen müssen, um die erforderlichen Daten zu sammeln und zu strukturieren.

Inhalte des Digitalen Produktpasses

Der DPP wird eine Fülle von Informationen enthalten, die für verschiedene Stakeholder zugänglich sind. Dazu gehören wesentliche Details wie [2] [5] [6]:

Die Informationen müssen strukturiert, maschinenlesbar und auf offenen Standards basieren, um Interoperabilität und Zugänglichkeit zu gewährleisten [1]. Der Zugriff auf die Informationen ist reguliert, mit spezifischen Zugriffsstufen für verschiedene Nutzergruppen (z.B. Verbraucher, Reparaturdienste, Behörden) [1].

Vorteile des DPP für Unternehmen und Verbraucher

Der DPP ist nicht nur eine regulatorische Anforderung, sondern bietet auch erhebliche Vorteile. Er fördert Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Kreislaufwirtschaft in globalen Wertschöpfungsketten. Unternehmen können ihre Nachhaltigkeitsleistung demonstrieren, regulatorische Anforderungen erfüllen und Vertrauen bei Verbrauchern und Stakeholdern aufbauen [6]. Für Verbraucher ermöglicht der DPP fundiertere Kaufentscheidungen, da sie detaillierte Informationen über die Umweltauswirkungen und die Nachhaltigkeit eines Produkts erhalten.

Die EU Authorized Representative (EU AR) Pflicht: Ein Muss für Nicht-EU-Hersteller

Für Nicht-EU-Hersteller, die ihre Produkte auf dem EU-Markt vertreiben möchten, ist die Benennung eines EU Authorized Representative (EU AR) eine zwingende Voraussetzung. Diese Pflicht ist in Artikel 4 der Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020 verankert und gilt für eine Vielzahl von Produkten [7].

Rolle und Aufgaben des EU AR

Der EU AR ist eine in der EU ansässige natürliche oder juristische Person, die als offizielle Kontaktstelle und Vertreter des Nicht-EU-Herstellers fungiert [7]. Seine Aufgaben sind vielfältig und entscheidend für die Einhaltung der EU-Vorschriften [7] [8] [9]:

Wer benötigt einen EU AR und wer nicht?

Ein EU AR ist erforderlich für [7]:

Unternehmen, die bereits in der EU ansässig sind, wie EU-Hersteller oder EU-Importeure, benötigen keinen separaten EU AR, da sie selbst als Wirtschaftsakteur in der EU gelten [7].

Produkte, die einen EU AR erfordern

Die Marktüberwachungsverordnung gibt keinen spezifischen Produktkatalog vor, sondern verweist auf eine Reihe von EU-Verordnungen und -Richtlinien, die einen EU AR erfordern. Ursprünglich galt dies hauptsächlich für Produkte, die eine CE-Kennzeichnung erforderten. Mit der GPSR wurde die EU AR-Pflicht jedoch auf weitere Konsumgüter ausgeweitet [7]. Dazu gehören unter anderem:

Regulierung/Richtlinie Produktbereich
Bauproduktenverordnung (EU) 305/2011 Bauprodukte
PSA-Verordnung (EU) 2016/425 Persönliche Schutzausrüstung
Gasgeräteverordnung (EU) 2016/426 Gasgeräte und Armaturen
Maschinenrichtlinie 2006/42/EG Maschinen
Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG Spielzeug
Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG Energieverbrauchsrelevante Produkte
RoHS-Richtlinie 2011/65/EU Elektrische und elektronische Geräte
Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU Elektrische und elektronische Geräte
Funkgeräterichtlinie 2014/53/EU Funkgeräte
Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU Druckgeräte

Darüber hinaus benötigen nun auch Verkäufer von Produkten wie Kleidung, Heimtextilien, Kinderprodukten, Möbeln, Fahrrädern, Fitnessgeräten und anderen Konsumgütern einen EU AR, wenn sie außerhalb der EU ansässig sind [7].

Konsequenzen bei fehlendem EU AR

Das Fehlen eines EU AR kann für Nicht-EU-Hersteller gravierende Folgen haben. Dazu gehören [7]:

AuraDPP: Ihr Partner für EU-Compliance

Angesichts der Komplexität und der weitreichenden Folgen der EU-Vorschriften ist es für Nicht-EU-Hersteller unerlässlich, einen zuverlässigen Partner für die Compliance zu haben. AuraDPP bietet umfassende Dienstleistungen an, um Unternehmen bei der Einhaltung der EU-Vorschriften zu unterstützen, einschließlich des EU Authorized Representative Service. Dieser Service ist ab 99 €/Monat verfügbar, wobei individuelle Angebote nach Ausfüllen eines Formulars erstellt werden. Durch die Zusammenarbeit mit AuraDPP können Unternehmen sicherstellen, dass sie alle Anforderungen erfüllen und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Fazit und Ausblick: Die Zukunft der Produktcompliance in der EU

Die EU-Regulierungen GPSR, ESPR und die damit verbundene DPP- und EU AR-Pflicht stellen umfassende Anforderungen an Unternehmen, die Produkte auf dem EU-Markt anbieten. Sie sind Ausdruck eines klaren politischen Willens, die Produktsicherheit zu erhöhen, die Nachhaltigkeit zu fördern und die Transparenz in den Lieferketten zu verbessern. Die Nichteinhaltung dieser Vorschriften kann zu erheblichen finanziellen und reputativen Schäden führen.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre internen Prozesse und Lieferketten genau prüfen und anpassen müssen. Die frühzeitige Implementierung von Systemen zur Datenerfassung und -verwaltung für den Digitalen Produktpass sowie die Benennung eines qualifizierten EU Authorized Representative sind entscheidende Schritte, um die Konformität sicherzustellen und den Marktzugang in der EU langfristig zu gewährleisten.

Die Zukunft der Produktcompliance in der EU ist digital, transparent und nachhaltig. Unternehmen, die diese Entwicklung proaktiv angehen und die neuen Anforderungen als Chance begreifen, können sich einen Wettbewerbsvorteil sichern und das Vertrauen von Verbrauchern und Partnern stärken.

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Referenzen

[1] EU's General Product Safety Regulation (GPSR): A New Era of Consumer Protection. (2025, Januar 6). Europäische Kommission. Verfügbar unter: https://trade.ec.europa.eu/access-to-markets/en/news/eus-general-product-safety-regulation-gpsr-new-era-consumer-protection

[2] What is the General Product Safety Regulation for the EU? Printful Help Center. Verfügbar unter: https://help.printful.com/hc/en-us/articles/17146629877788-What-is-the-General-Product-Safety-Regulation-for-the-EU

[3] Understanding the General Product Safety Regulation (GPSR). Shopify Help Center. Verfügbar unter: https://help.shopify.com/en/manual/international/gpsr

[4] EU Consumer Goods General Product Safety Regulation (GPSR). (2024, September 30). U.S. Department of Commerce. Verfügbar unter: https://www.trade.gov/market-intelligence/eu-consumer-goods-general-product-safety-regulation-gpsr

[5] Introduction to the ESPR and Digital Product Passports. (2025, Februar 2). Tributech. Verfügbar unter: https://www.tributech.io/blog/introduction-to-ESPR-and-DPP

[6] Digital Product Passport (DPP). KPMG. Verfügbar unter: https://kpmg.com/dk/en/esg/digital-product-passport--dpp-.html

[7] European Union Authorised Representatives: A Complete Guide. (2025, Juli 13). ComplianceGate. Verfügbar unter: https://www.compliancegate.com/european-authorised-representative/

[8] Authorised Representatives – Regulation (EU) 2017/745 (EU MDR). EUMDR. Verfügbar unter: https://eumdr.com/authorised-representatives/

[9] What is an EU Authorized Representative? (2025, September 10). White Label World Expo. Verfügbar unter: https://www.whitelabelexpo.com/exhibitor-news/eu-authorized-representative


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