Digitaler Produktpass Textil: EU ESPR & Kreislaufwirtschaft
Digitaler Produktpass für Textilien: EU ESPR und die Zukunft der Kreislaufwirtschaft
This article was originally written in English and translated. We apologize for any minor errors.
1. Einleitung: Die Textilindustrie im Wandel
Die globale Textil- und Modeindustrie steht vor einer dreifachen Krise, die ökologische, ökonomische und soziale Bereiche umfasst. Von der übermäßigen Nutzung natürlicher Ressourcen über die Umweltverschmutzung durch Produktion und Entsorgung bis hin zu fragwürdigen Arbeitsbedingungen – die Branche ist dringend auf einen Wandel angewiesen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein der Verbraucher für Nachhaltigkeit und Transparenz, was den Druck auf Unternehmen erhöht, verantwortungsvoller zu handeln. In diesem Kontext hat die Europäische Union (EU) eine ehrgeizige Strategie für nachhaltige und kreislauforientierte Textilien ins Leben gerufen, deren Herzstück die Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) und der Digitale Produktpass (DPP) sind.
1.1. Herausforderungen und der Ruf nach Transparenz
Die Textilindustrie ist eine der ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Branchen weltweit. Sie verbraucht enorme Mengen an Wasser und Energie, setzt Chemikalien frei und erzeugt große Mengen an Abfall. Fast Fashion, mit ihren schnell wechselnden Kollektionen und niedrigen Preisen, hat diese Probleme noch verschärft. Verbraucher kaufen mehr Kleidung als je zuvor, tragen sie kürzer und entsorgen sie schneller, was zu einem massiven Anstieg von Textilabfällen führt. Die Komplexität der globalen Lieferketten macht es zudem schwierig, die Herkunft von Materialien, Produktionsprozesse und die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards nachzuvollziehen. Dies führt zu einem Mangel an Transparenz, der sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmen ein großes Problem darstellt [1].
1.2. Die Rolle des Digitalen Produktpasses (DPP)
Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein innovatives Instrument, das darauf abzielt, diese Herausforderungen zu bewältigen. Er soll die Rückverfolgbarkeit, Kreislauffähigkeit und Transparenz in der Textilindustrie verbessern, indem er detaillierte Informationen über ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg bereitstellt. Durch die Bereitstellung dieser Informationen können Verbraucher fundiertere Kaufentscheidungen treffen, Unternehmen ihre Lieferketten optimieren und Regulierungsbehörden die Einhaltung von Vorschriften besser überwachen. Der DPP ist somit ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren und kreislauforientierten Textilwirtschaft in der EU [2].
2. Die Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR)
Die Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) ist ein zentraler Bestandteil der EU-Strategie für nachhaltige und kreislauforientierte Textilien. Sie wurde im Juni 2024 offiziell von der EU verabschiedet und ersetzt die bisherige Ecodesign-Richtlinie, die sich hauptsächlich auf energieverbrauchsrelevante Produkte konzentrierte. Die ESPR erweitert den Anwendungsbereich auf eine breite Palette von Produkten, darunter auch Textilien, mit dem Ziel, deren Umweltverträglichkeit über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verbessern [3].
2.1. Ziele und Anwendungsbereich der ESPR
Die Hauptziele der ESPR sind:
- Verbesserung der Produktnachhaltigkeit: Produkte sollen langlebiger, wiederverwendbarer, reparierbarer und recycelbarer werden.
- Reduzierung des Ressourcenverbrauchs: Der Einsatz von Primärrohstoffen soll minimiert und die Nutzung von Sekundärrohstoffen gefördert werden.
- Minimierung von Abfall: Die Entstehung von Abfall soll reduziert und die Kreislaufwirtschaft gestärkt werden.
- Erhöhung der Transparenz: Verbraucher und Unternehmen sollen Zugang zu umfassenden Informationen über die Umweltverträglichkeit von Produkten erhalten.
Textilien wurden im ESPR-Arbeitsplan für 2025–2030 als eine der vorrangigen Produktgruppen identifiziert. Dies bedeutet, dass Bekleidung und andere Textilprodukte zu den ersten gehören werden, für die spezifische Ecodesign-Anforderungen und der Digitale Produktpass eingeführt werden [4].
2.2. Der DPP als Kernstück der ESPR
Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein zentrales Element der ESPR. Er dient als digitales Werkzeug, das Informationen über die Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit eines Produkts über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg bereitstellt. Für Textilprodukte, die ab 2027 auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden, wird der DPP voraussichtlich verpflichtend sein [5]. Er soll als „regulatorisches Tor“ zum EU-Markt fungieren, was bedeutet, dass Produkte ohne einen entsprechenden DPP nicht mehr verkauft werden dürfen [6].
3. Der Digitale Produktpass (DPP) für Textilien im Detail
3.1. Definition und Funktionsweise des DPP
Der Digitale Produktpass (DPP) ist nicht einfach nur ein QR-Code oder ein Etikett. Er ist vielmehr eine Kombination aus einem eindeutigen Identifikator (der von einer Charge bis zu einem einzelnen Produkt variieren kann) und einer Sammlung von Daten, die das Produkt, seine Prozesse und die beteiligten Akteure charakterisieren. Diese Daten werden von allen Beteiligten im Kreislaufprozess gesammelt und genutzt [7]. Im Wesentlichen handelt es sich um ein digitales Datenblatt, das über einen Datenträger (z.B. QR-Code, NFC-Tag) am Produkt oder seiner Verpackung zugänglich gemacht wird und eine Fülle von Informationen über das Produkt bereitstellt.
Die Funktionsweise des DPP ist darauf ausgelegt, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu maximieren. Jeder Akteur in der Lieferkette – vom Rohstofflieferanten über den Hersteller bis zum Händler und Recycler – trägt relevante Informationen zum DPP bei. Diese Informationen werden in einer sicheren und interoperablen Weise gespeichert, sodass sie von autorisierten Parteien jederzeit abgerufen werden können. Dies ermöglicht eine lückenlose Dokumentation des Produktlebenszyklus und schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.
3.2. Welche Informationen enthält der Textil-DPP?
Die genauen Informationen, die ein Textil-DPP enthalten muss, werden noch detailliert ausgearbeitet, aber die Forschung des Europäischen Parlaments hat bereits 16 Kategorien von Informationen identifiziert, die im DPP enthalten sein könnten [8]:
- Produktbeschreibung: Name, Modell, Artikelnummer, Produktart.
- Zusammensetzung: Materialzusammensetzung (Fasern, Chemikalien), Anteile von recycelten Materialien.
- Lieferkette: Herkunft der Materialien, Produktionsstätten, Verarbeitungsstufen.
- Transport: Informationen über Transportwege und Emissionen.
- Dokumentation: Konformitätserklärungen, Zertifikate, Prüfberichte.
- Umweltauswirkungen: CO2-Fußabdruck, Wasserverbrauch, Energieverbrauch.
- Soziale Auswirkungen: Einhaltung von Arbeitsstandards, faire Löhne.
- Auswirkungen auf Tiere: Tierwohlstandards (falls zutreffend).
- Kreislauffähigkeit: Informationen zur Wiederverwendbarkeit, Reparierbarkeit, Recycelbarkeit, Demontageanleitungen.
- Gesundheitsauswirkungen: Vorhandensein gefährlicher Substanzen.
- Informationen zur Marke: Markenname, Herstellerinformationen.
- Kommunikations-/Identifikationsmedien: Art des Datenträgers (QR-Code, NFC).
- Granularität: Ob der Pass für ein einzelnes Produkt oder eine Charge gilt.
- Menge: Produktionsmenge, Losgröße.
- Kosten: (Weniger Konsens, ob enthalten sein soll).
- Nachverfolgung nach dem Verkauf: Informationen zur Produktnutzung, Reparaturhistorie, Kundenfeedback.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle diese Informationen für alle Produkte und alle Phasen des Lebenszyklus relevant sein werden. Der DPP wird flexibel gestaltet sein, um den spezifischen Anforderungen verschiedener Textilprodukte gerecht zu werden. Der Fokus liegt jedoch klar auf Informationen, die die Kreislauffähigkeit und Nachhaltigkeit fördern.
3.3. Stakeholder und ihre Vorteile
Der Digitale Produktpass wird eine Vielzahl von Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Textilindustrie betreffen und ihnen Vorteile bieten [9]:
- Verbraucher: Erhalten transparente Informationen über die Herkunft, Zusammensetzung und Umweltauswirkungen von Produkten, was ihnen ermöglicht, bewusstere Kaufentscheidungen zu treffen und nachhaltigere Optionen zu wählen. Sie können auch Informationen zur Reparatur und Entsorgung erhalten.
- Marken und Hersteller: Können die Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte verbessern, ihre Lieferketten optimieren, die Einhaltung von Vorschriften sicherstellen und ihre Nachhaltigkeitsbemühungen glaubwürdig kommunizieren. Dies kann zu einem verbesserten Markenimage und Wettbewerbsvorteilen führen.
- Händler: Können ihren Kunden detaillierte Produktinformationen anbieten, was das Vertrauen stärkt und die Kundenbindung erhöht. Sie können auch besser auf die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten reagieren.
- Regulierungsbehörden: Erhalten ein effektives Instrument zur Überwachung der Einhaltung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsvorschriften. Dies erleichtert die Marktüberwachung und die Durchsetzung von Strafen bei Nichteinhaltung.
- Sortierer und Recycler: Erhalten präzise Informationen über die Materialzusammensetzung und den Zustand von Produkten, was die Effizienz von Sortier- und Recyclingprozessen erheblich verbessert und die Qualität von Sekundärrohstoffen erhöht.
- Zertifizierungs- und Bewertungsunternehmen: Können ihre Dienstleistungen effizienter anbieten, da die notwendigen Daten bereits im DPP verfügbar sind.
- Kreislaufwirtschaftsakteure: Profitieren von der verbesserten Transparenz und Datenverfügbarkeit, um innovative Geschäftsmodelle im Bereich der Wiederverwendung, Reparatur und des Recyclings zu entwickeln.
4. Implementierung und Zeitplan: Was Unternehmen wissen müssen
Die Einführung des Digitalen Produktpasses für Textilien ist ein mehrstufiger Prozess, der Unternehmen Zeit zur Anpassung geben soll. Die Europäische Kommission plant eine schrittweise Einführung, um die Komplexität der Umstellung zu bewältigen.
4.1. Phasen der DPP-Einführung (2027, 2030, 2033)
Die Einführung des DPP für Textilien ist in drei Phasen unterteilt [10]:
- Phase 1 (2027): Minimaler und vereinfachter DPP. In dieser ersten Phase wird ein grundlegender DPP eingeführt, der sich hauptsächlich auf die Verbreitung obligatorischer Informationen konzentriert. Diese Informationen sollen für eine erste Lebenszyklusanalyse nützlich sein und die grundlegende Transparenz gewährleisten. Dies wird die erste Welle von Textilprodukten betreffen, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden.
- Phase 2 (2030): Erweiterter DPP. In dieser Phase wird der DPP schrittweise erweitert, um mehr Informationen über den gesamten Lebenszyklus des Produkts zu sammeln. Dies basiert auf den Erkenntnissen aus Phase 1 und den Ergebnissen von Experimenten. Es werden weitere Stakeholder einbezogen und die Datenerfassung wird umfassender.
- Phase 3 (2033): Vollständiger Kreislauf-DPP. In der letzten Phase soll ein vollständiger Kreislauf-DPP vollständig implementiert werden, um die Kreislaufwirtschaft im Textilsektor umfassend zu fördern. Dies beinhaltet eine maximale Datentiefe und -breite, um alle Aspekte der Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit abzudecken.
4.2. Auswirkungen auf Hersteller und Importeure
Für Hersteller und Importeure von Textilprodukten, die auf dem EU-Markt tätig sind, bedeutet die Einführung des DPP eine erhebliche Umstellung. Sie müssen Systeme implementieren, um die erforderlichen Daten zu sammeln, zu verwalten und über den DPP zugänglich zu machen. Dies erfordert Investitionen in IT-Infrastruktur, Datenmanagementlösungen und möglicherweise auch in die Schulung von Mitarbeitern. Die Nichteinhaltung der DPP-Vorschriften kann schwerwiegende Folgen haben, einschließlich hoher Geldstrafen von bis zu 4% des Jahresumsatzes oder 10 Millionen Euro [11].
Es ist entscheidend, dass Unternehmen frühzeitig mit der Vorbereitung beginnen, um die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Die proaktive Auseinandersetzung mit den Anforderungen des DPP kann auch neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, indem Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsbemühungen hervorheben und das Vertrauen der Verbraucher gewinnen.
4.3. Die Bedeutung des EU Authorized Representative (EU AR)
Für Nicht-EU-Hersteller und Importeure, die Textilprodukte in der EU verkaufen möchten, ist die Benennung eines EU Authorized Representative (EU AR) gemäß der GPSR (General Product Safety Regulation) und zukünftig auch im Kontext der ESPR und des DPP, verpflichtend [12]. Der EU AR fungiert als Kontaktstelle zwischen dem Hersteller außerhalb der EU und den nationalen Marktüberwachungsbehörden innerhalb der EU. Er stellt sicher, dass die Produkte den EU-Vorschriften entsprechen und dass die erforderlichen Dokumentationen, einschließlich des Digitalen Produktpasses, verfügbar sind. Ohne einen EU AR dürfen Nicht-EU-Hersteller ihre Produkte nicht auf dem EU-Markt in Verkehr bringen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Planung und Zusammenarbeit mit einem erfahrenen EU AR, um einen reibungslosen Marktzugang zu gewährleisten.
5. Vorteile und Chancen für eine nachhaltige Textilwirtschaft
Die Einführung des Digitalen Produktpasses und der ESPR ist nicht nur eine regulatorische Last, sondern bietet auch erhebliche Vorteile und Chancen für die Textilindustrie und die Gesellschaft insgesamt.
5.1. Förderung der Kreislaufwirtschaft
Der DPP ist ein Katalysator für die Kreislaufwirtschaft. Durch die Bereitstellung detaillierter Informationen über Materialien, Zusammensetzung und Wiederverwertbarkeit von Produkten wird es einfacher, Produkte am Ende ihres Lebenszyklus zu sortieren, zu reparieren, wiederzuverwenden oder zu recyceln. Dies reduziert die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen, minimiert Abfall und schont natürliche Ressourcen. Die Transparenz, die der DPP schafft, ermöglicht es auch, innovative Geschäftsmodelle im Bereich der Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, wie z.B. Produkt-as-a-Service-Modelle oder erweiterte Herstellerverantwortungssysteme.
5.2. Verbraucherinformation und Vertrauen
In einer Zeit, in der Greenwashing und mangelnde Transparenz das Vertrauen der Verbraucher untergraben, bietet der DPP eine verlässliche Quelle für Produktinformationen. Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die im DPP enthaltenen Daten von unabhängigen Stellen überprüft wurden und den EU-Standards entsprechen. Dies stärkt das Vertrauen in Marken und Produkte, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, und ermöglicht es den Verbrauchern, informierte Entscheidungen zu treffen, die ihren Werten entsprechen.
5.3. Wettbewerbsvorteile und Innovation
Unternehmen, die den DPP proaktiv implementieren und ihre Nachhaltigkeitsbemühungen transparent kommunizieren, können sich von der Konkurrenz abheben. Der DPP kann zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal werden, das umweltbewusste Verbraucher anspricht und neue Marktsegmente erschließt. Darüber hinaus fördert die Notwendigkeit, Daten zu sammeln und zu verwalten, Innovationen in den Bereichen Materialwissenschaft, Produktionstechnologien und Geschäftsmodelle. Unternehmen werden ermutigt, in nachhaltigere Praktiken zu investieren und ihre Produkte von Grund auf kreislauffähiger zu gestalten.
6. Risiken und Herausforderungen bei der Umsetzung
Obwohl die Vorteile des Digitalen Produktpasses erheblich sind, dürfen die Herausforderungen bei seiner Umsetzung nicht unterschätzt werden. Die Komplexität der Textilindustrie und die Notwendigkeit einer umfassenden Datenerfassung stellen hohe Anforderungen an alle Beteiligten.
6.1. Komplexität der Lieferketten
Die Lieferketten in der Textilindustrie sind oft global, fragmentiert und intransparent. Ein einziges Kleidungsstück kann Materialien aus verschiedenen Ländern enthalten, die in mehreren Fabriken verarbeitet und von zahlreichen Zwischenhändlern transportiert werden. Die lückenlose Erfassung aller relevanten Daten über diese komplexen Netzwerke hinweg ist eine enorme Aufgabe. Es erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren und die Implementierung interoperabler Datensysteme, die den Austausch von Informationen über Unternehmensgrenzen hinweg ermöglichen.
6.2. Datenmanagement und Interoperabilität
Die schiere Menge an Daten, die für den DPP gesammelt und verwaltet werden müssen, ist beträchtlich. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie über die notwendigen Systeme und Prozesse verfügen, um diese Daten effizient und sicher zu erfassen, zu speichern und zu aktualisieren. Eine weitere Herausforderung ist die Interoperabilität der Daten. Verschiedene Unternehmen verwenden möglicherweise unterschiedliche Datenformate und -systeme, was den reibungslosen Austausch von Informationen erschwert. Die EU arbeitet an Standards und Richtlinien, um die Interoperabilität zu gewährleisten, aber die Umsetzung wird eine koordinierte Anstrengung erfordern.
6.3. Kosten und technische Anforderungen
Die Implementierung des DPP wird mit erheblichen Kosten verbunden sein, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Investitionen in neue Technologien, Softwarelösungen und die Schulung von Mitarbeitern sind notwendig. Darüber hinaus erfordert die technische Umsetzung des DPP ein hohes Maß an Fachwissen im Bereich Datenmanagement, IT-Sicherheit und Blockchain-Technologien (die oft als mögliche Grundlage für den DPP diskutiert werden). Es ist wichtig, dass die EU unterstützende Maßnahmen und Finanzierungsmöglichkeiten bereitstellt, um KMU bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu helfen.
7. GPSR und ESPR: Ein Zusammenspiel für Produktsicherheit und Nachhaltigkeit
Die General Product Safety Regulation (GPSR) und die Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) sind zwei wichtige Säulen der EU-Produktregulierung, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam zu mehr Produktsicherheit und Nachhaltigkeit beitragen.
7.1. Die General Product Safety Regulation (GPSR)
Die GPSR, die seit dem 13. Dezember 2024 in Kraft ist, zielt darauf ab, die Sicherheit von Non-Food-Produkten auf dem EU-Markt zu gewährleisten. Sie legt allgemeine Sicherheitsanforderungen fest, die Produkte erfüllen müssen, bevor sie in Verkehr gebracht werden dürfen. Ein zentraler Aspekt der GPSR ist die Verpflichtung für Nicht-EU-Hersteller, einen EU Authorized Representative (EU AR) zu benennen, der als Ansprechpartner für die Marktüberwachungsbehörden dient und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften sicherstellt. Die GPSR ist somit ein grundlegendes Regelwerk, das die Sicherheit der Verbraucher schützt und einen fairen Wettbewerb gewährleistet.
7.2. Synergien zwischen GPSR und ESPR
Während sich die GPSR primär auf die Produktsicherheit konzentriert, erweitert die ESPR den Fokus auf die Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit von Produkten. Beide Verordnungen sind jedoch eng miteinander verbunden und schaffen Synergien. Der DPP, als Kernstück der ESPR, kann beispielsweise auch Informationen zur Produktsicherheit enthalten, die für die Einhaltung der GPSR relevant sind. Umgekehrt kann die durch die GPSR geforderte Rückverfolgbarkeit und Dokumentation die Datenerfassung für den DPP erleichtern. Das Zusammenspiel beider Verordnungen schafft einen umfassenden Rahmen, der sowohl die Sicherheit als auch die Nachhaltigkeit von Produkten auf dem EU-Markt gewährleistet.
8. Fazit und Ausblick
Der Digitale Produktpass für Textilien, eingebettet in die Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), markiert einen Wendepunkt für die Textilindustrie in der Europäischen Union. Er ist ein ambitioniertes Vorhaben, das darauf abzielt, die Branche von einem linearen zu einem kreislauforientierten Modell zu transformieren. Durch die Bereitstellung transparenter und umfassender Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts wird der DPP die Rückverfolgbarkeit, Kreislauffähigkeit und Nachhaltigkeit erheblich verbessern. Dies wird nicht nur den Verbrauchern zugutekommen, die fundiertere Kaufentscheidungen treffen können, sondern auch Unternehmen, die ihre Lieferketten optimieren und Wettbewerbsvorteile durch Nachhaltigkeit erzielen können.
Die Umsetzung des DPP wird zweifellos Herausforderungen mit sich bringen, insbesondere in Bezug auf die Komplexität der Lieferketten, das Datenmanagement und die erforderlichen Investitionen. Doch die potenziellen Vorteile – eine widerstandsfähigere, umweltfreundlichere und ethischere Textilindustrie – überwiegen bei Weitem die Schwierigkeiten. Unternehmen, die sich frühzeitig auf diese Veränderungen einstellen und proaktiv handeln, werden nicht nur die Einhaltung der Vorschriften sicherstellen, sondern auch eine führende Rolle in der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft spielen.
Der Weg zu einem vollständig kreislauforientierten Textilsektor ist lang, aber der Digitale Produktpass ist ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Er wird die Art und Weise, wie Produkte hergestellt, konsumiert und am Ende ihres Lebenszyklus behandelt werden, grundlegend verändern und einen wichtigen Beitrag zum Europäischen Green Deal leisten.
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9. Referenzen
[1] European Parliament. (2024). Digital product passport for the textile sector. EPRS | European Parliamentary Research Service. https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2024/757808/EPRS_STU(2024)757808_EN.pdf [2] Intertek. (2025, May 28). Get Ready for the EU's Ecodesign & Digital Product Passport. https://www.intertek.com/blog/2025/05-28-eu-ecodesign-digital-product-passport/ [3] Carbonfact. (2026, January 5). Digital Product Passport for Textiles: What Fashion Brands Need to Know. https://www.carbonfact.com/blog/policy/digital-product-passport-fashion [4] SGS. (2025, June 3). EU Releases ESPR Working Plan 2025–2030, Prioritizing Textiles for Sustainability. https://www.sgs.com/en-ch/news/2025/06/safeguards-07325-eu-releases-espr-working-plan-2025-2030-prioritizing-textiles-for-sustainability [5] Tracextech. (2026, January 27). Digital Product Passports for Textiles: What ESPR Means for Brands. https://tracextech.com/digital-product-passports-for-textiles/ [6] Renoon. (2026, January 21). ESPR Regulation | Digital Product Passport Requirements Checklist. https://www.renoon.com/blog/understanding-the-regulation-what-does-the-digital-product-passport-espr-require [7] Recoverfiber. (n.d.). Digital Product Passport: The next step for textiles and fashion. https://recoverfiber.com/newsroom/digital-product-passport [8] European Parliament. (2024). Digital product passport for the textile sector. EPRS | European Parliamentary Research Service. (Siehe Seite 5, Abschnitt "Categories of information contained in the DPP") [9] European Parliament. (2024). Digital product passport for the textile sector. EPRS | European Parliamentary Research Service. (Siehe Seite 5, Abschnitt "DPP stakeholders") [10] European Parliament. (2024). Digital product passport for the textile sector. EPRS | European Parliamentary Research Service. (Siehe Seite 6, Abschnitt "DPP deployment: Phases and policy options") [11] Informationen aus der Aufgabenstellung. [12] Informationen aus der Aufgabenstellung.